Ein Gastbeitrag von Willi Schwengler, Russischlehrer im Angleichungslehrgang am Söderblom-Gymnasium Espelkamp

Die russische Sprache öffnet die Türen für viele interessante Länder mit unterschiedlichen Kulturen und Landschaften. Nicht zuletzt in diesem Aspekt liegt für viele Schüler*innen die Attraktivität des Russischunterrichts. Wer Russisch lernt, der möchte im Regelfall in Zukunft auch gerne Russland oder ein anderes russischsprachiges Land bereisen. Dies ist bekanntlich zurzeit nicht möglich und so bricht in gewisser Weise eine konkrete Anwendungsperspektive für das manchmal mühsame Erlernen von Lexik und Grammatik weg.  

Es gibt jedoch mittlerweile digitale Möglichkeiten, um aus der Perspektive eines/r Reisenden einen Einblick in die Lebenswelt der Menschen in Russland und Co. zu bekommen. Über Google Maps lassen sich unterschiedliche Orte besuchen, wobei man die Möglichkeit hat, sich mit Google Street View über die Straßen zu bewegen. Dabei können Sehenswürdigkeiten der Großstädte besichtigt, typische Wohngegenden betrachtet oder auch Naturlandschaften wie beispielsweise der Baikalsee, das Altaigebirge und die Vulkane Kamtschatkas bestaunt werden. Hier ergibt sich eine ganz andere Perspektive, als sie die Hochglanzbilder aus den Tourismusprospekten bieten. Man scheint viel mehr tatsächlich „da“ zu sein, sieht von den Orten auch ihre „realistischen“ Seiten, bekommt einen Einblick davon, wie viele Menschen sich auf den Straßen bewegen, welche Geschäfte sich an diesen befinden, welche Autos gefahren werden usw. Einen Kinderspielplatz in einer Wohngegend Sankt Petersburgs zu betrachten, kann so zu einem intensiveren Erlebnis werden, als ein perfekt belichtetes Foto der Eremitage zu sehen!  

Mit dem Auto durch Sankt Petersburg

Um diese Perspektive einzunehmen, muss lediglich Google Maps aufgerufen werden. Unten rechts befindet sich ein kleines gelbes Männchen, auf welches man mit der linken Maustaste klickt. Man hält diese Maustaste gedrückt und zieht das Männchen auf die Karte. Überall wo die Straßen jetzt eine blaue Färbung bekommen, lässt sich das Männchen abwerfen. Hier öffnet sich nun die Street-View-Perspektive, in der man sich durch Drücken der linken Maustaste und gleichzeitiges Bewegen der Maus drehen und durch Klicken auf der Straße auch vor und zurück bewegen kann.  

Für den Russischunterricht sind unterschiedliche Anwendungen denkbar: Eine nette Stunde nach einer Klausur, in der man als Kurs versucht, das Wohnhaus der russischstämmigen Mitschülerin zu finden; Suchen von Sehenswürdigkeiten; Screenshots von unterschiedlichen Landschaften und Klimazonen (Tundra, Taiga, Steppe, Wüste…); Wegbeschreibungen, die über Street View tatsächlich abgegangen werden können…

Das virtuelle Reisen durch Russland oder die russischsprachigen Länder soll Lust auf die Städte, die Landschaften und die Kultur machen und auf Besuche, die hoffentlich in näherer Zukunft wieder möglich sein werden!