Eine konkreter Versuch, Wechselunterricht in Russisch effektiv und die eigenen Ressourcen schonend zu gestalten (von Sabine Sewing)

Wechselunterricht – schon wieder eine neue Vokabel, die uns herausfordert, Unterricht ganz neu zu denken.

Aktuell wird wohl an den meisten Schulen in NRW Wechselunterricht durchgeführt in dem Sinne, dass ein Jahrgang (bei uns die Q1) in zwei Gruppen geteilt wird und abwechselnd zum Präsenzunterricht in die Schule kommt: Die andere Gruppe wird zuhause in Distanz beschult. An unserer Schule wechseln die Gruppen täglich (Gruppe 1 kommt Montag-Mittwoch-Freitag, Gruppe 2 Dienstag-Donnerstag, in der folgenden Woche umgekehrt). An anderen Schulen wechseln die Gruppen wöchentlich.

In jedem Fall stellt sich die Frage: Wie soll ich gleichzeitig meine volle Stundenzahl in der Schule unterrichten und der Distanz-Gruppe passende Aufgaben stellen? Jede Stunde doppelt vorbereiten? Auf Dauer nicht machbar. Die Daheimgebliebenen per Video-Streaming dazuschalten? Überlastet häufig das Schulnetz und lässt die Distanz-Schüler zu passiven Zuschauern werden, die ganze Tage vor dem Bildschirm sitzen und zusehen, wie ihre Mitschüler in der Schule miteinander sprechen.

Während des Distanzunterrichts habe ich im Russischunterricht besonders schmerzlich die Möglichkeit vermisst, dass die Schüler aktiv und gleichzeitig Russisch sprechen und hören. Besonders wichtig für alle, bei denen zuhause kein Russisch vorkommt! Das also sollte jetzt beim Präsenzunterricht im Vordergrund stehen. Daraus ist folgende Idee erwachsen:

In den Präsenzstunden sollen die Schüler in (den jetzt kleinen) Gruppen ganz viel selbst sprechen, einander zuhören, interagieren, automatisierende mündliche Grammatikübungen und Hörverstehensübungen machen. Oder auch mal ein komplexeres Grammatikthema in Partner- oder Gruppenarbeit erschließen.

In den Distanzphasen sollen die Schüler alles machen, was man gut für sich und im eigenen Tempo erledigen kann: schriftliche Grammatikübungen, Texte schreiben, Vokabeln lernen, einfache Grammatik selbst oder mit Hilfe von Lernvideos erschließen, Präsentationen zur Landeskunde ansehen.

Um als Lehrerin nicht alles doppelt vorzubereiten, erstelle ich einen Plan für zwei Wochen: Dabei kommt alles doppelt vor: in den Präsenzstunden mache ich in beiden Gruppen exakt dieselben Übungen, in Distanz bekommen beide Gruppen exakt dieselben Aufgaben. So sind nach zwei Wochen beide Gruppen auf demselben Stand.

Nur muss man sich dabei vom Prinzip der Gleichzeitigkeit verabschieden: Während die einen in der Schule sprechen, machen die anderen zuhause ganz andere, schriftliche Aufgaben. Bei der einen Gruppe ist die schriftliche Arbeit die Vorbereitung auf die nächste Präsenzstunde, bei der anderen dient sie zur Nachbereitung. Das ist vielleicht nicht immer optimal, aber nur so ist das parallele Arbeiten möglich.

Die Distanzaufgaben werden im Präsenzunterricht gestellt, die Schüler bekommen das Material „in die Hand“ und bringen ihre Bearbeitungen in die nächste Präsenzstunde mit, wo sie verglichen oder in eine Sprechübung eingebaut werden. So kann ich mich für diese Lerngruppe komplett aus der digitalen Lernplattform verabschieden: Ich stelle keine Aufgaben mehr ein, die Schüler laden keine Abgaben mehr hoch.

Fast Unterricht „wie früher“!

Die Tabelle zeigt eine Übersicht für die ersten Wochen in meinem Russischkurs der Q1. Gleiche Farben bedeuten dabei gleiche Inhalte für die jeweiligen Präsenz-/Distanz-Stunden, hier noch mit der Besonderheit, dass die eine Gruppe zwei Einzelstunden, die andere eine Doppelstunde pro Woche hat.